In meinen Coachings begegnet mir immer wieder das Thema Zeit. Viele Menschen spüren, dass sie für alles und jeden da sind – für den Job, die Familie, die Erwartungen von aussen – nur nicht für sich selbst. Gleichzeitig höre ich oft den Satz: «Ich würde ja gerne an mir arbeiten, aber mir fehlt einfach die Zeit.» Diese Aussage hat mich besonders an einem Referat getroffen, als eine Führungsperson genau diese Frage stellte. Und ich verstand sofort, was sie meinte. Wir leben in einem System, das uns ständig beschäftigt hält. Tagesstrukturen, Termine, Deadlines, Verpflichtungen. Man funktioniert, aber man lebt kaum bewusst. Genau das führt dazu, dass Zeit nicht nur knapp wirkt – sondern fast schon wie ein Luxus, den man sich nicht leisten kann.
Wenn ich diese Realität mit meinem Leben als Eishockey-Profi vergleiche, merke ich, wie privilegiert mein Alltag damals war. Ich hatte etwas, das für viele Menschen heute fast unvorstellbar ist: Zeiträume, die nicht gefüllt, nicht verplant und nicht überlagert waren. Besonders die Mittage mit meinen Teamkollegen sind mir bis heute präsent. Wir assen in Ruhe, ohne Hektik, ohne direkt zum nächsten Termin zu müssen. Wir diskutierten über das Leben, über Träume, über Finanzen, über Herausforderungen. Diese Gespräche dauerten oft zwei Stunden – und sie öffneten mir einen Raum, den ich rückblickend als entscheidend für meine persönliche Entwicklung sehe.
In dieser Zeit begann ich zu reflektieren. Ich begann zu hinterfragen, zu beobachten, mich selbst besser kennenzulernen. Später, als Verletzungen dazukamen, fand ich den Weg ins Mentalcoaching. Auch dafür hatte ich Zeit. Ich konnte mich mit meinen Gedanken auseinandersetzen, konnte Pausen bewusst nutzen, konnte mich weiterentwickeln. Es war genau dieser Freiraum, der den Grundstein für mein heutiges Mindset gelegt hat.
Ganz anders sieht es bei vielen Menschen aus, die ich heute begleite. Sie wachsen in einem System auf, das vom Kindergarten bis ins Berufsleben kaum Raum für mentale Entwicklung lässt. Schule, Ausbildung, Vollzeitjob, Familie, Haushalt, Verpflichtungen – und dazwischen versucht man noch irgendwie zu funktionieren. Zeit für sich selbst entsteht höchstens in den Ferien, und selbst dort geht es oft darum, Energie zurückzugewinnen, die man im Alltag verloren hat. Es bleibt kaum Platz, um sich aktiv mit der eigenen mentalen Stärke zu befassen. Man lebt im Rhythmus der Pflichten und verliert dabei den Zugang zu sich selbst.
Was hier zum eigentlichen Problem wird, ist nicht die fehlende Zeit an sich, sondern die Kopflastigkeit. Viele sind gedanklich ständig beschäftigt. Sie denken über Arbeit nach, über Verantwortung, über Erwartungen, über Dinge, die noch erledigt werden müssen. Dadurch sind sie selten im Moment und fast nie bei sich selbst. Dieses permanente Denken verbraucht Energie – und lässt das Gefühl entstehen, dass der Tag nie reicht. Zeit wird zu etwas, das man hinterherjagt, aber nie wirklich erreicht.
Für mich liegt genau hier die Lösung: im Mindset. Zeit entsteht nicht nur durch verfügbare Stunden, sondern durch innere Klarheit. Wenn wir lernen, unsere Gedanken zu ordnen, Prioritäten bewusst zu setzen und uns weniger von mentalem Lärm bestimmen zu lassen, erleben wir Zeit anders. Sie fühlt sich weiter an, ruhiger, bewusster. Ein starkes Mindset verändert die Qualität der Zeit. Wer bewusst denkt, lebt konzentrierter. Wer reflektiert, trifft klarere Entscheidungen. Wer im Moment ist, verliert weniger Energie. Und wer sich selbst kennt, findet schneller zurück zur eigenen Mitte. So entsteht Zeit – nicht im Kalender, sondern im Kopf.
Genau an diesem Punkt setzt Mentalcoaching an. Viele meiner Klientinnen und Klienten kommen zu mir mit dem Gefühl, dass sie im Alltag nur noch funktionieren. Was wir gemeinsam entwickeln, sind mental klare Strukturen, die helfen, wieder mehr Raum zu schaffen – Raum zum Atmen, zum Denken, zum Sein. Es geht nicht darum, mehr Zeit freizuschaufeln, sondern die vorhandene Zeit bewusster zu nutzen. Kleine Anpassungen im Denken können einen enormen Unterschied machen, weil sie direkt beeinflussen, wie wir unseren Tag erleben.
Was mich immer wieder beeindruckt: Sobald Menschen beginnen, sich selbst ernst zu nehmen und Verantwortung für ihr Denken und Fühlen zu übernehmen, verändert sich alles. Sie entdecken, dass sie nicht machtlos sind. Dass mentale Stärke nicht etwas ist, das man irgendwann haben muss, sondern etwas, das man entwickeln kann. Und dass Zeit nicht nur vergeht, sondern gestaltet werden kann.
Für mich bleibt Zeit der grösste Luxus, den ich je hatte. Aber ich bin überzeugt: Man kann sich diesen Luxus zurückholen – nicht durch mehr freie Tage, sondern durch mehr Bewusstsein. Durch ein Mindset, das einen näher zu sich selbst bringt. Durch die Entscheidung, sich Raum zu geben, auch wenn der Alltag voll ist.
Zeit ist nicht das, was auf der Uhr steht. Zeit ist das, was wir spüren. Und wenn wir beginnen, uns mit unserem Mindset auseinanderzusetzen, schaffen wir Platz für genau das, was vielen im Alltag fehlt: echte Präsenz, Klarheit und innere Ruhe. Dort beginnt mentale Gesundheit.